19. November 2015

LMV Mai 2012: Henri-Nannen-Preis: Weniger Aufmerksamkeit, mehr Qualität.



Die Grüne Jugend Hessen kritisiert die Vergabe des Henri-Nannen-Preis an die BILD Zeitung. Solidarität mit den SZ RedakteurInnen.

Die Grüne Jugend Hessen verurteilt die diesjährige Vergabe des Henri-Nannen-Preis für die beste investigative Leistung an die BILD Zeitung. Für ihren Beitrag „Wirbel um Privatkredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“ in der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff erhielten die zwei „Bild“-Autoren Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch die Bronzebüste „Henri“. Die Intention von JournalistInnen und medialer Berichterstattung generell muss es sein, ausführlich und wertfrei über das politische Tagesgeschehen zu informieren. Die freie und unabhängige Presse ist ein hohes Gut in demokratischen Staaten.

Von dieser Intention ist aber die BILD Zeitung und der Axel Springer Verlag weit entfernt. Seit der Gründung wird das Prinzip von Publicity, persönlicher Diffamierung und einseitiger wertender Berichterstattung dort gehegt. So sehr wir auch die Machenschaften von Christian Wulff verurteilen, ging es im Wesentlichen der BILD Zeitung darum, eine öffentliche Person zu ächten und weniger die Öffentlichkeit zu informieren. Dieser Form von Journalismus erteilt die Grüne Jugend Hessen eine klare Absage. Dieses dann auch noch auszuzeichnen ist für alle RedakteurInnen bei der die Qualität der Berichterstattung darauf fußt, die BürgerInnen adäquat zu informieren, ein Schlag ins Gesicht. Investigativer Journalismus hakt im Sinne der Öffentlichkeit nach und bleibt dabei wertfrei. Diese Attribute zeichnet die BILD Zeitung nun wirklich nicht aus.

Die diesjährige Vergabe des Henri-Nannen-Preis hatte wohl primär die Intention Aufmerksamkeit zu erreichen, als wirklich qualitative und investigative JournalistInnen auszuzeichnen. Das macht den Preis und die PreisträgerInnen zu einem unbedeutenden Teil der ganzen Veranstaltungen.

Gleichzeitig mit ihnen sollten für ihre Investigation die Redakteure Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der „Süddeutschen Zeitung“ ausgezeichnet werden, die die „Formel-1-Affäre“ bei der BayernLB aufgedeckt hatten. Doch zu der geplanten Doppel-Ehrung kam es nicht. Leyendecker lehnte den Preis auch im Namen seiner beiden Kollegen ab: Nicht gemeinsam mit „Bild“. Dieses konsequente Handeln begrüßt die Grüne Jugend Hessen ausdrücklich. Wir hoffen, dass dadurch eine gesellschaftliche Debatte über Qualitätsjournalismus geführt wird.



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