{"id":9856,"date":"2021-11-16T09:40:02","date_gmt":"2021-11-16T08:40:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gjh.de\/frog\/?post_type=beschluss&#038;p=9856"},"modified":"2021-11-20T12:34:32","modified_gmt":"2021-11-20T11:34:32","slug":"lmv-november-2021-leitantrag-fuer-freiraeume-fuer-kunst-und-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gjh.de\/frog\/lmv-november-2021-leitantrag-fuer-freiraeume-fuer-kunst-und-kultur\/","title":{"rendered":"LMV November 2021: Leitantrag &#8222;F\u00fcr Freir\u00e4ume! F\u00fcr Kunst und Kultur!&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"section_15908_0\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Kultur ist f\u00fcr eine offene und pluralistische Gesellschaft unverzichtbar. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbr\u00fcche kann Kultur\u00a0 Orientierung geben und neue Perspektiven er\u00f6ffnen. Kultur kann hierbei zur geschichtlichen Aufarbeitung, Erinnerung und politischen Auseinandersetzung, von bis heute strukturell pr\u00e4genden Menschheitsverbrechen wie der Shoa oder Unterdr\u00fcckungsherrschaften wie<br \/>\nim Kolonialismus, beitragen.<\/p>\n<p>Als GR\u00dcNE JUGEND Hessen wollen wir kulturelle Vielfalt f\u00f6rdern und die Freiheit der Kunst verteidigen. Kunst darf nicht f\u00fcr \u00f6konomische und politische Zwecke instrumentalisiert werden. Wir wollen einen gleichberechtigten Zugang aller B\u00fcrger*innen zu Kultur und es ist uns wichtig, dass die Kultur in der Breite und in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen angemessen gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_1\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\"><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_2\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Wir setzen uns f\u00fcr faire Honorare und eine gute soziale Absicherung der K\u00fcnstler*innen und Kreativen, f\u00fcr Gleichberechtigung von FINTA*-Personen im Kulturbetrieb und f\u00fcr die \u00d6ffnung des Kulturbetriebs f\u00fcr BIPoC und Menschen mit Migrationsgeschichte ein. Gerade in der Corona-Krise sind Hilfe und Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kulturschaffende n\u00f6tig.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_3\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>F\u00f6rderungen im Kulturbereich sind im Moment h\u00e4ufig befristet, sodass die Kulturschaffenden sich st\u00e4ndig mit neuen F\u00f6rderbedingungen und b\u00fcrokratischen H\u00fcrden auseinandersetzen m\u00fcssen. Diese Beantragungen nehmen immer mehr Zeit in Anspruch, die am Ende f\u00fcr die eigentliche Kultur fehlt. Wir brauchen deshalb endlich mehr dauerhafte F\u00f6rderungen, die langfristige Planungssicherheit f\u00fcr die Kulturschaffenden erm\u00f6glichen, aber trotzdem mit der Zeit gehen. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen Kulturinitiativen, die sich besonders f\u00fcr Nachhaltigkeit und den Schutz<br \/>\nunseres Klimas engagieren und diesen thematisieren \u00fcber einen separaten F\u00f6rdertopf langfristig gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_4\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<h2>Kein Platz f\u00fcr Sexismus, Rassismus,<br \/>\nQueerfeindlichkeit und andere diskriminierende<br \/>\nStrukturen in unserer Kultur<\/h2>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_5\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Die deutsche Kultur ist sehr <em>wei\u00df<\/em>, sehr m\u00e4nnlich, und nicht besonders divers. Ein Blick in die Verlagsvorschauen, in die Museen, oder in das deutsche Fernseh- und Kinoprogramm, l\u00e4sst das klar deutlich werden. Je h\u00f6her Gehalt, Ansehen und Funktion einer Stelle, desto geringer ist der Anteil von FINTA*-Personen, BIPoC, queeren Menschen oder Menschen mit Behinderung im Kunst- und Kulturbetrieb. Gesellschaftlich marginalisierten Menschen gleiche Arbeitsm\u00f6glichkeiten und Aufstiegschancen zu geben, ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit. Damit<br \/>\nwird auch f\u00fcr die Vielfalt der k\u00fcnstlerischen Perspektiven gesorgt.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_6\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Wir m\u00fcssen dringend daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass sich das Verh\u00e4ltnis zwischen Frauen und M\u00e4nnern wie zum Beispiel in Regiepositionen angleicht, dass mehr Schwarze und People of Colour in die Ensembles kommen oder in Hauptrollen spielen.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_7\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Auch andere Missst\u00e4nde fallen endlich auf: Es gibt eine erstarkende Bewegung von behinderten oder chronisch kranken K\u00fcnstler*innen, die f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen und Pl\u00e4tze in den Ensembles streiten, f\u00fcr Barrierefreiheit f\u00fcr sich und das Publikum. Diese Bewegung unterst\u00fctzen wir, denn alle Menschen sollen die gleichen Chancen in ihrer Arbeit haben. Hinzukommt, dass wir auch gegen Queerfeindlichkeit weiter arbeiten m\u00fcssen.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_8\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Wir fordern daher die Einf\u00fchrung und eine Auseinandersetzung mit Quotenverfahren, um so mindestens Parit\u00e4t zwischen den Geschlechtern, aber dar\u00fcber hinaus auch Diversifizierung bei Leitungspositionen, Intendanzen, Stipendien und Werksauftr\u00e4gen, in Jurys, F\u00f6rderprogrammen sowie Projekten und Veranstaltungen von \u00f6ffentlich finanzierten Institutionen zu erreichen. Ein<br \/>\nzentraler Punkt dabei ist die Bek\u00e4mpfung des Gender-Pay-Gap, um Lohngleichheit gleicher Qualifikation und T\u00e4tigkeit zu standardisieren.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_9\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Au\u00dferdem braucht es eine unabh\u00e4ngige Beratungsstelle f\u00fcr Diskriminierung und Machtmissbrauch im Kulturbetrieb. Deswegen unterst\u00fctzen wir die Vertrauensstelle Themis, die sich vor allem mit F\u00e4llen von sexueller Bel\u00e4stigung und Gewalt betroffenen Menschen in der Kulturszene einsetzt. Als GR\u00dcNE JUGEND Hessen wollen wir uns ebenfalls f\u00fcr eine Diversit\u00e4tsquote im<br \/>\nKulturbereich einsetzen, wie das zum Beispiel in Gro\u00dfbritannien schon umgesetzt wird.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_10\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\"><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_11\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<h2>Erinnerungskultur: Aufarbeitung fortsetzen und<br \/>\nerweitern<\/h2>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_12\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p><em>Die Shoa als zentrale Bezugspunkt der Erinnerungskultur in Deutschland<\/em><\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_13\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Die Verbrechen des Nationalsozialismus bedeuten eine gesellschaftliche und politische Verantwortung, die niemals verj\u00e4hrt. Unter die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen darf kein Schlussstrich gezogen werden. Im Gegenteil: Da bald nur noch sehr wenige Zeitzeug*innen leben werden, gilt es jetzt neue Vermittlungsformate an den KZ-Gedenkst\u00e4tten, in den Schulen und in der politischen Bildung zu entwickeln. Zudem muss die Erinnerungskultur so offen gestaltet werden, dass sie den Realit\u00e4ten der Einwanderungsgesellschaft gerecht wird. Erinnerung mit ihren Erinnerungsorten ist eine gewachsene und sich stetig ver\u00e4ndernde Praxis. Die Shoa bleibt der zentrale Bezugspunkt der Erinnerungskultur in Deutschland.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_14\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Gedenkst\u00e4tten, NS-Dokumentationszentren und Aufkl\u00e4rungsarbeit sind ma\u00dfgebliche Akteurinnen der au\u00dferschulischen historisch-politischen Bildungsarbeit. Sie bereiten mit ihren Aktivit\u00e4ten einen fruchtbaren Boden f\u00fcr ein kritisches Geschichtsbewusstsein sowie f\u00fcr die Entwicklung von Haltungen zu gegenwartsrelevanten Themen, wie etwa zum Wert von Demokratie und<br \/>\nRechtsstaatlichkeit. Auf diese Weise leistet ihre Bildungsarbeit einen wichtigen Beitrag, um Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus sowie Antiziganismus und Rechtsextremismus entgegenzuwirken. Deswegen unterst\u00fctzen wir als GR\u00dcNE JUGEND Hessen die historisch-politische Bildungsarbeit und fordern eine bessere und umfangreiche finanzielle Unterst\u00fctzung sowie eine fortw\u00e4hrende Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_15\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Wir fordern eine bessere F\u00f6rderung der KZ-Gedenkst\u00e4tten und jener zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich im Bereich Erinnerungskultur engagieren.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_16\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Au\u00dferdem muss die Anerkennung bisher wenig beachteter Opfergruppen, etwa Sinti und Roma, Homosexuelle Menschen, Menschen mit Behinderungen oder sogenannte \u201eAsoziale und Berufsverbrecher\u201c, als Opfer des Nationalsozialismus, durch staatlich gef\u00f6rderte Gedenkstrukturen, verankert werden. Dazu geh\u00f6rt auch die st\u00e4rkere Anerkennung der Opfer der nationalsozialistischen \u201eEuthanasie\u201c.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_17\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Umso wichtiger ist eine lebendige Erinnerungskultur, die an die Verbrechen an den Verfolgten erinnert und nicht in Ritualen und Formeln erstarrt, sondern die breite Bev\u00f6lkerung und insbesondere die junge Generation emotional anspricht.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_18\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p><em>Anerkennung der Kolonialvergangenheit als Unrechtssystem <\/em><\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_19\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist es wichtig, dass auch die deutsche Kolonialgeschichte endlich angemessen aufgearbeitet wird. Der deutsche Kolonialismus hat tiefe Spuren in den st\u00e4dtischen R\u00e4umen hinterlassen. Stra\u00dfennamen und Denkm\u00e4ler ehren Rassisten und Kolonialverbrecher, glorifizieren Kriege gegen Menschen, die sich gegen die gewaltsame Aneignung ihrer Lebensr\u00e4ume zur Wehr setzten. Ein kritisches Bewusstsein f\u00fcr die historischen Hintergr\u00fcnde dieser Erinnerungsorte gab es bislang in Deutschland kaum.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_20\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Die Mobilisierung der Black Lives Matter Bewegung f\u00fchrte zu einer neuen Aufmerksamkeit f\u00fcr die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe im deutschsprachigen Raum. Teil der Aufarbeitung durch eine gesamtgesellschaftliche Erinnerungskultur, muss die Beantwortung der Fragen sein: \u201eWelche Verantwortung tragen einstige Kolonialm\u00e4chte f\u00fcr Asymmetrien in der heutigen Weltordnung? Inwieweit setzen sich koloniale Denkweisen bis heute in Rassismus, der bis heute unsere Gesellschaften strukturiert, fort?\u201c Auf kommunaler Ebene sind es<br \/>\ninsbesondere BIPoC Strukturen und andere zivilgesellschaftliche Akteur*innen, die sich mit dem kolonialem Erbe der eigenen Stadt besch\u00e4ftigen und die fest in der Gesellschaft verankerte Kontinuit\u00e4ten kolonialer Logik herausfordern.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_21\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Deswegen fordern wir die Anerkennung der Kolonialvergangenheit als Unrechtssystem, die Entwicklung von angemessenen Erinnerungsformaten, sowie die Bek\u00e4mpfung rassistischer und (post)kolonialer Denkweisen und Praktiken, als gesellschaftliche Querschnittsaufgaben. \u00d6ffentliche und kulturelle Institutionen m\u00fcssen sich ihrer historischen Verantwortung stellen und ihre<br \/>\nKolonialvergangenheit sowie institutionellen Rassismus aufarbeiten. F\u00fcr die Etablierung einer Erinnerungskultur kolonialen Unrechts ist es zentral, die Nachfahren kolonialisierter und heute von Rassismus betroffene Menschen, deren Lebensrealit\u00e4t noch immer von kolonialen Kontinuit\u00e4ten gepr\u00e4gt ist, als Expert*innen aktiv und gleichberechtigt in die Planung und Durchf\u00fchrung von<br \/>\nProjekten zur kolonialen Erinnerung einzubinden. Die Einbindung dieser vielstimmigen Narrative geht mit einer Reflexion institutioneller Deutungshoheit und einer \u00d6ffnung von Kultur- und Bildungseinrichtungen f\u00fcr partizipative Prozesse im Kontext kolonialer Erinnerung einher.<\/p>\n<div id=\"section_15908_22\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<h2>Kultur im Land<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_23\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Kulturpolitik ist vor allem Stadtpolitik. Der Gro\u00dfteil der \u00f6ffentlichen Mittel, die f\u00fcr kulturelle Angebote bereitgestellt werden, flie\u00dft in die kulturelle Infratsurktur der gro\u00dfen St\u00e4dte und Metropolen, die aus den kommunalen Mitteln auch die meisten Kultureinrichtungen finanzieren. Theater, Orchester, Museen, Bibliotheken, Festivals und vieles mehr \u2013 fast alles, was gut und teuer ist \u2013 findet sich in den St\u00e4dten, wo auch die meisten K\u00fcnstler*innen leben. Der kulturelle Diskurs in unserer Gesellschaft ist dementsprechend vom urbanen Raum gelenkt und f\u00fchrt dazu, dass die Kultur auf dem Lande und in den Klein- und Mittelst\u00e4dten dagegen eher im Abseits steht. Das betrifft sowohl kulturelle Infrastruktur, Veranstaltungsangebote, aber auch den<br \/>\nkulturpolitischen Diskurs. Kultur spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, gleichwertige und faire Lebensverh\u00e4ltnisse f\u00fcr alle und \u00fcberall zu schaffen. Doch leider h\u00e4ngt Kultur und kulturelle Bildung immer noch vom Einkommen und Herkunft und vom Wohnort im urbanen und l\u00e4ndlichen Gebiet ab. Echte Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben wird damit beispielsweise f\u00fcr Kinder und Jugendliche im l\u00e4ndlichen Raum erschwert.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_24\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Viele Menschen in unserer Gesellschaft engagieren sich in Musikvereinen, Amateurtheatern, Fastnachts- und Brauchtumsvereinen, in der Heimatpflege und in Kulturzentren. Hierbei ist die Art der Kultur im l\u00e4ndlichen Raum eine grundlegend andere als in urbanen Gebieten. Zum Teil unterscheiden sie sich von Dorf zu Dorf fundamental. Hierauf muss auch die Kulturf\u00f6rderung ausgerichtet sein und regionale Besonderheiten d\u00fcrfen nicht zu F\u00f6rderungsausschl\u00fcssen f\u00fchren. Zahlreiche Festivals machen im Sommer die l\u00e4ndlichen R\u00e4ume auch zu touristischen<br \/>\nZielen. Dabei ist aber gerade im l\u00e4ndlichen Raum, die kulturelle Arbeit auf Ehrenamt gest\u00fctzt. Durch den Mangel an kultureller Infrastruktur im l\u00e4ndlichen Raum, kann gerade bei Kulturschaffenden eine Urbanisierung beobachtet werden, die ehrenamtlichen Strukturen an ihre Grenzen bringen l\u00e4sst. Deswegen darf eine ausschlie\u00dfliche St\u00fctze auf Ehrenamt keine L\u00f6sung sein. Ehrenamt braucht Anerkennung, vor allem aber professionelle Hilfestellungen in der Arbeit, attraktive F\u00f6rderprojekte und langfristig angelegte Investitionen in kulturelle Infrastruktur, wie Kinos, Theater-, Sport-, und Freizeitr\u00e4ume, die nicht an eine Konsumpflicht gebunden sind.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_25\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<h2>Kultur Krisenfest machen!<\/h2>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_26\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>In der Corona-Krise waren Theaterb\u00fchnen leer, Kinovorh\u00e4nge blieben zu, Ausstellungen, Konzerte, Museen zu.. alles war dicht. Die Corona-Krise hat gnadenlos offengelegt, unter welchen prek\u00e4ren Bedingungen viele Soloselbstst\u00e4ndige und Kultur- und Medienschaffende leben und arbeiten.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_27\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Eine Lehre aus der Pandemie muss deshalb sein, dass die Kultur- und Medienbranche auf eine krisenfestere Grundlage gestellt wird. Es ist unbestritten, dass die Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie notwendig sind. Das Kontaktverbot trifft Kultureinrichtungen wie freie Kulturschaffende aber existenziell. Zudem wird die Kulturbranche auch bis zum Ende der Pandemie von<br \/>\nteils erheblichen Einschr\u00e4nkungen und damit massiven wirtschaftlichen Einbu\u00dfen betroffen sein. Gerade die Soloselbstst\u00e4ndigen Kultur- und Medienproduzent*innen bilden die Basis unserer kulturellen und medialen Vielfalt. Jede Museumsschau, jedes Theaterst\u00fcck, jedes Konzert lebt von vielen einzelnen K\u00fcnstler*innen. Nicht zu vergessen diejenigen, die im Hintergrund die Logistik am Laufen halten. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir Soloselbstst\u00e4ndige in der Kultur- und Medienbranche besser sozial absichern und verg\u00fcten. Wir fordern einen eigenen Kulturrettungsfonds, der passgenau auf die Probleme der Kulturschaffenden eingeht und schlie\u00dfen uns der Forderung der GR\u00dcNEN im Bundestag nach einem \u201eExistenzgeld\u201c f\u00fcr die Zeit der Pandemie oder zuk\u00fcnftige vergleichbare Krisen, nach Mindesthonoraren f\u00fcr Selbstst\u00e4ndige und einen leichteren Zugang zu den Versicherungssystemen an. Au\u00dferdem wollen wir verhindern, dass jemand wegen der Folgen der Pandemie aus der K\u00fcnstlersozialkasse f\u00e4llt. Deswegen braucht es eine Not-Anlaufstelle, die den Kulturschaffenden die notwendigen Informationen, Beratungen und Hilfen anbietet. Der Wert von Kunst und Kultur ist kein Sahneschnittchen und muss \u201eGrundnahrungsmittel\u201c in unserer Demokratie werden, denn Kunst und Kultur ist systemrelevant, weil es demokratierelevant ist!<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_28\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Mit unserem Beschluss schauen wir aber auch \u00fcber die Dauer der Pandemie hinaus und bringen nochmals unsere schon l\u00e4nger formulierten Ideen ein, wie Soloselbstst\u00e4ndige in der Kultur- und Medienbranche in Zukunft besser sozial abgesichert und verg\u00fctet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_29\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<h2>Kulturf\u00f6rderung: Vielfalt und Gerechtigkeit<\/h2>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_30\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Die F\u00f6rderung von Kunst und Kultur ist eine \u00f6ffentliche Aufgabe. HipHop und Ballett, Spoken Word und Lyrik, Zw\u00f6lftonmusik und Folklore sind f\u00fcr uns gleichberechtigte Formen des kulturellen Ausdrucks. Sie brauchen angemessene Rahmenbedingungen, um sich entfalten zu k\u00f6nnen. Wir setzen uns daf\u00fcr ein, dass neben den Leuchtt\u00fcrmen der klassischen Hochkultur kleine lokale Projekte wie freie Theatergruppen, Independent-Bands oder Jugendorchester ausreichend F\u00f6rderung erhalten.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_31\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Wir fordern daher in allen Kulturf\u00f6rderungsma\u00dfnahmen, ein transparentes und gerechtes Verfahren und die Sicherung der kulturellen Infrastruktur in den St\u00e4dten und auf dem Land. Au\u00dferdem eine ausreichende Unterst\u00fctzung soziokultureller Zentren, da sie wichtige Orte der Begegnung und des Austauschs f\u00fcr Menschen aus unterschiedlichen Milieus sind.<\/p>\n<section class=\"privateParagraphNoteHolder\"><\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"section_15908_32\" class=\"paragraph lineNumbers\">\n<div class=\"text motionTextFormattings textOrig fixedWidthFont\">\n<p>Eine lebendige Kulturlandschaft wird mehr denn je gebraucht, denn sie mobilisiert, motiviert, verbindet, kritisiert und \u00f6ffnet. Wir brauchen eine Kunst und Kultur die \u201elaut, unbequem und politisch\u201d ist, denn sie ist ein Pfeiler f\u00fcr die Demokratie und muss endlich f\u00fcr alle Menschen erreichbar werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p><em><span style=\"color: #339966;\">Beschlossen am 06.11.2021 auf der Landesmitgliederversammlung in Frankfurt.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kultur ist f\u00fcr eine offene und pluralistische Gesellschaft unverzichtbar. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbr\u00fcche kann Kultur\u00a0 Orientierung geben und neue Perspektiven er\u00f6ffnen. Kultur kann hierbei zur geschichtlichen Aufarbeitung, Erinnerung und politischen Auseinandersetzung, von bis heute strukturell pr\u00e4genden Menschheitsverbrechen wie der Shoa oder Unterdr\u00fcckungsherrschaften wie im Kolonialismus, beitragen. 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